Teil I - 09.12.2011
Ich sitze im Cookies, ein Ort, welcher an Charme, Kulisse und Publikum nur schwer mit meinen gewöhnlichen Kulissen konkurrieren kann und welcher so viel Authentizität besitzt, wie eine Jungfrau, welche von ihren Lieblingsstellungen erzählt. Viele Erinnerungen treiben mich durch die Dunkelheit, das Stroboskop vereint sich mit den dumpfen Bässen des Tracks, den DJ Hell gerade auflegt. Die Musik treibt mich, erinnert mich an letztes Jahr, als ich das Cookies zweimal wöchentlich besuchte, sämtliche Klos entweihte und mein Selbstbewusstsein anreicherte mit wahllosen Männern, welchen ich auf den Toiletten einen blies während mir die kurz davor gezogene Line Kokain direkt ins Bewusstsein schlug.
"Der Laden hat sich verändert", zählt zu meinen ersten Gedanken und kurz darauf revidiere ich und fühle mich wie in einem Flashback. Ich streife orientierungslos durch den Club und lasse mich an meinem Lieblingsort nieder, einer alten Couch direkt vor den Toiletten, die die beste Aussicht bietet und mir die Möglichkeit gibt, das gesamte Publikum zu erleben. Meine Begleiterin ist irgendwo unterwegs auf der Suche nach ein wenig Speed für uns, während ich meinen Prinzipien treu bleibe, und auf mein Karma vertraue. Soll es passieren, kommt es zu mir... Wenig später setzt sich ein Mann neben mich, aufgebracht, gestresst, mir durchaus bekannt. Mein gutes Gedächnis für Gesichter lässt mich nicht im Stich und ich kann ihn direkt mit einigen Erlebnissen in Verbindung bringen. Der erste Kontakt: Er verkauft mir MDMA im Berghain, was mich kurz darauf in vollkommen andere Sphären schießt. Das ist etwa ein Jahr her, seitdem sehe ich ihn immer wieder an den Orten, an denen auch ich mich rumtreibe.
Er spricht mich an, fragt nach einer Zigarette. Ich biete ihm an meine letzte Zigarette mit ihm zu teilen und frage ihn, weshalb er so aufgebracht sei. Während er mir von seinem besten Freund und schwierigen Konflikten innerhalb dieser Freundschaft erzählt, lasse ich meine Gedanken schweifen und überlege was ich von ihm weiß. Er ist mir überaus sympatisch, glänzt durch intelligente Bemerkungen und Scharfsinn. Zudem erweist er sich als Besitzer einer überaus angeknacksten Psyche. Genau mein Beuteschema.
Die Stunden verschwimmen vor meinem inneren Auge, ich entschließe zu gehen. Ein kleiner Kick käme mir recht. Ich entscheide mich für eine meiner Lieblingskombinationen. MDMA und Sex. Meine Bekanntschaft nimmt mich auf Bitten mit zu sich nachhause, wo ich nun in einem chaotischen Zimmer auf der Couch sitze und mir eine Line durch das Näschen ziehe. Schmeckt. Wenig später wechseln wir den Ort, ich blase ihm einen und genieße die Show, beeinflusst durch halluzinationartige Zustände meines eigenen Schädels und dem ausgeschütteten Hormen, beginnt ein mir gut bekannter Film. Einige Zeit später, vielleicht waren es Minuten oder gar Stunden, schlafe ich ein.
Ich wache auf. Strahlende Sonne und weiße Wände blenden meine geschundenen Augen, ich bin orientierungslos. Wo bin ich? Und wieso bin ich alleine? Ich höre Musik aus dem Nebenzimmer und erinnere mich, das meine Bekanntschaft gerne selbst mixt. Im Slip bekleidet zünde ich mir eine Zigarette an, inspiziere die Wohnung, stehe am Fenster und rekapituliere die Nacht. Wie lange habe ich geschlafen? Nach einer weiteren Nummer ziehe ich mich an und fahre nachhause. Der Nachhauseweg ist angenehm. Ich genieße den Film.
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